Die Ergebnisse von
SchulLEBEN - Mehr als Lernen

Demnächst könnt ihr im Bereich "Reaktionen & Wirkung" genauere Infos darüber finden, wie es mit euren Beiträgen weiterging, in welche Prozesse und Dokumente sie eingeflossen sind, wer wie darauf reagiert hat und inwieweit bereits Wirkungen vorliegen. Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, diesen Bereich fertig zu stellen.


(Foto: ©IS2 | Photocase.com)

1. Meine, deine unsere Schule – mitgestalten (und) lernen!

Mitgestaltung an Schule - ein Komplex mit vielen Möglichkeiten. Der erste Themenbereich der Beteiligungsrunde befasste sich mit der Frage nach schon existierender und gewünschter Mitgestaltung von Schüler_innen in Schule. Doch inwieweit wollen junge Menschen eigentlich mitbestimmen und fühlen sie sich am Lebensort "Schule" dadurch wohler? Eine Eigenständige Jugendpolitik könnte sich für eine noch stärkere Mitbestimmung an den Schulen einsetzen. In welchen Bereichen erscheint das besonders sinnvoll und wo stoßen Schüler_innen an die Grenzen der Gestaltungs-macht?

DAS SAGTEN DIE FACHLEUTE:

1. Die Fachleute würden gerne wissen: Welche Rolle spielt eigentlich die Schüler_innenvertretung (SV) an der Schule? Fühlen sich Schüler_innen gut vertreten? Haben sie Verbesserungswünsche? Sollte die SV neben Schulthemen auch z.B. kommunalpolitische Themen behandeln?

2. Bestehende Rechte zur Mitbestimmung an der Schule sollten erst wirklich umgesetzt werden, bevor weitere theoretisch dazu kommen.

3. Mitbestimmung kann nur funktionieren, wenn junge Menschen mitbestimmen wollen, die Schule, bzw. die Schulleitung es zulässt und die Lehrkräfte sie dabei unterstützen.

DAS ANTWORTETEN DIE JUNGEN POLITIK>MACHER_INNEN:


Wissen was geht!

Viele der Teilnehmenden waren sich einig: Bestehende Schüler_innen-vertretungen gestalten das Leben an Schule aktiv mit, z.B. indem Feste gestaltet oder Projekte umgesetzt werden. Viele der jungen Politik> Macher_innen berichten, dass sie von Schulleitung und Lehrerkollegium unterstützt werden. Sie fordern jedoch auch, dass Mitbestimmungsrechte bekannter werden müssen. Jede_r Schüler_in sollte demnach z.B. wissen, welche Einflussmöglichkeiten es in Gremien wie der Klassensprecher_innen- oder Schulkonferenz gibt. Werden Ideen aus den Reihen der Schüler_innen dort nur angehört oder können sie wirklich mitgestalten? Speziell für Schüler_innenvertretungen sollte es Fortbildungsangebote über deren Rechte und Pflichten geben – nur dann können sie wirklich produktiv die Interessen der Schülerschaft umsetzen. Aber auch darüber hinaus sollten nach Meinung der Teilnehmenden junge Menschen an Schule mehr wirkliche Förderung bezüglich Demokratie und Mitbestimmung erfahren, nur so könnte es ihnen auch wirklich Spaß machen.

Selbst zu entscheiden will gelernt sein!

Sollen Schüler_innen aktiv das Schulleben mitgestalten und soll Mitbestim-mung einen festen Platz in Schule haben, müssen junge Menschen - wenn es nach den jungen Politik>Macher_innen geht – Mitbestimmungswillen, Partizipationsbereitschaft und demokratisches Verständnis entwickeln, um auch Interesse und Spaß daran zu finden. Eine Gesellschaft lebe von kritischen, selbstverantwortlichen Menschen, die sich für die eigenen und die Interessen der Gemeinschaft einsetzen würden. Um dies zu erreichen wäre es jedoch nötig, dass Schulen von Anfang an Schüler_innen in Entscheidungen miteinbeziehen. Das Klima der Schule beeinflusst, ihrer Meinung nach, dabei das Interesse der Schüler_innen und deren Bereitschaft zur Beteiligung. Die Teilnehmenden stellen zudem fest: Demokratische Beteiligung muss der Zielgruppe angepasst, altersgerecht, nachvollziehbar und für die Kinder und Jugendlichen überprüfbar sein.

Eben die genannte nötige Bereitschaft der Schulen zur generellen Einbeziehung der Schüler_innen, bezweifeln einige der jungen Politik>Macher-_innen. Dies zeigt sich, wenn sie deutlich machen, dass Schüler_innen oft nur durch immer höhere Leistungsanforderungen gefügig gemacht werden würden, anstatt ein kritisches Denken zu ermöglichen.

Wenn schon – dann richtig!

Schüler_innen wollen sich engagieren, wenn sie können! Die Teilnehmen-den der Beteiligungsrunde kamen darin überein, dass die Rahmenbedingungen für eine gelungene Mitbestimmung gewährleistet werden müssen. Das heißt unter anderem, dass eine finanzielle und inhaltliche Unterstützung für die Schüler_innenvertretungen geschaffen und Entscheidungen in Schulgremien, wie z.B. dem Schulforum, verbindlicher behandelt werden müssen. Den jungen Politik>Macher_innen war es wichtig zu betonen, dass die Mitglieder solcher Gremien (Schüler_innen, Lehrer_innen, Eltern) gleichgestellt sein müssen.

Auch außerhalb von Schule spiele Beteiligung für junge Menschen eine große Rolle. Jugend im Allgemeinen und Schülervertretungen im Speziellen benötigen demnach einen festen Platz in politischen Strukturen. Durch eine effiziente Förderung und eine gute Struktur auf Stadtebene, könnte Partizipation auch bei kommunalpolitischen Themen umgesetzt werden. Einige Politik>Macher_innen machten ganz konkret den Vorschlag, dass ein Antrags - und Anhörungsrecht in kommunalen Gremien gelten sollte.

Das Leben besteht nicht nur aus Schule!

Wiederholt machten die jungen Politik>Macher_innen darauf aufmerk-sam, dass sie auch noch ein Leben neben der Schule hätten. Sie engagieren sich in Vereinen, in Verbänden und, und, und. Doch offensichtlich wird dieses außerschulische Engagement nicht ausreichend gewürdigt: Der Wunsch nach Freistellungen vom Unterricht für Engagement sowie nach Anerkennung ihrer ehrenamtlichen Aktivitäten wurde, wie bereits in einigen Ichmache>Politik-Beteiligungsrunden zuvor, in mehreren Beiträgen laut.

Da die Welt nicht nur aus Schule besteht, erscheint es den Teilnehmenden besonders sinnvoll, kommunalpolitische Themen in die Arbeit der Schüler_innenvertretung einzubinden und neue Mitbestimmungsrechte für junge Menschen zu entwickeln. Denn auch wenn bisher noch nicht alle Rechte von Schüler_innen umgesetzt würden, sollten weitere Rechte entwickelt werden.


2. Lernen, Freunde, Freizeit - alles in der Schule?

Schule ist längst nicht mehr nur "Wissensvermittlerin". In vielen Bundes-ländern ist ein umfassendes Angebot bestehend aus Unterricht und Aktivitäten im Ganztagsbetrieb schon an der Tagesordnung. Dadurch entwickelt sich Schule vermehrt zu einer Art Lebensort für junge Menschen, an dem nicht nur gelernt sondern auch gelebt wird.

Im zweiten Fragenkomplex stand deshalb der "Lebensort" Schule als Entfaltungsmöglichkeit, Ort für Freiräume und mit Wohlfühl-Atmosphäre auf dem Prüfstand der jungen Politik>Macher_innen.

DAS SAGTEN DIE FACHLEUTE:

1. Die Fachleute fragen sich und die jungen Teilnehmenden, ob sie sich in der Schule mehr Räume und Möglichkeiten für Freizeitgestaltung wünschen oder ob sie lieber mehr von ihrer Freizeit außerhalb der Schule verbringen möchten.

2. Eine Studie (StEG) hat herausgefunden, dass mit zunehmendem Alter die Jugendlichen immer unzufriedener mit dem Nachmittagsangeboten sind. Was denken die jungen Politik>Macher_innen dazu?

3. Angebote der Ganztagsbetreuung sollten für Schüler_innen anderer Schulen geöffnet werden. Dadurch könntet ihr die Freizeitangebote der Schule wahrnehmen und gleichzeitig ihre Freund_innen treffen, egal an welche Schule sie gehen.

DAS ANTWORTETEN DIE JUNGEN POLITIK>MACHER_INNEN


Mehr als Lernen

Schule sollte nach Meinung der jungen Politik>Macher_innen ein Ort des lebendigen Lernens sein. Hier lernen und üben zu können ist wichtig, doch auch Spaß und Ruhe sollten ihren Platz finden. Das Schulklima müsste nach Ansicht der Teilnehmenden verbessert werden. Sie wünschen sich eine von Vertrauen und Respekt geprägte Atmosphäre, als Grund-voraussetzung für erfolgreiches Lernen. Auch auf die individuelle Entfaltung sollte in der Schule Wert gelegt werden, z.B. durch eine Stärkung der Feedbackkultur. Eine solche Feedbackkultur sollte den Selbstfindungsprozess unterstützen, anstatt ihn durch standardisierte Leistungsnachweise zu untergraben.

So individuell wie jede_r Schüler_in ist, so vielseitig muss auch die Nach-mittagsbetreuung an Ganztagsschulen sein. Da dies nur durch die Betei-ligung von Schüler_innen am Entstehungsprozess von Aktivitäten gewähr-leistet werden kann, wurden sich die Jugendlichen schnell darin einig: Wichtig ist zuerst, dass junge Menschen selbst ein Wörtchen mitzureden haben!

Ortswechsel

Könnten es die jungen Politik>Macher_innen entscheiden, so würde es wohl mehr Möglichkeiten für eine Freizeitgestaltung außerhalb von Schule geben. Sie machten in vielen Beiträgen sehr deutlich, dass sie bereits sehr wenig Freizeit hätten und damit sehr unzufrieden sind. Eine Freizeit-gestaltung außerhalb der Schule wäre aus ihrer Sicht viel sinnvoller und zwangloser. Engagement, Hobbies oder auch das Treffen mit Freunden würden durch das Ganztagsprogramm, bzw. die Nachmittagsaktivitäten der Schule gestört und behindert werden. Die Teilnehmenden betonen, dass mit dem Alter auch das Bedürfnis nach Selbstbestimmung steige. Gerade Jugendverbände, Vereine o.ä. wären ein gutes Beispiel für selbst-organisierte Freizeitgestaltung, die keine Langeweile oder Sinnlosigkeit aufkommen lässt. Das dortige Engagement mache auch deutlich, dass junge Menschen ihre Freizeit eigenverantwortlich nutzen und gestalten könnten. Schule müsse ihren Bedarf an der täglichen Zeit junger Menschen auf das Notwendige begrenzen, deshalb forderten die Teilnehmenden mehr Freizeit für junge Menschen, um sich auch an anderen Lebensorten entfalten und andere Bildungsleistungen nutzen zu können. Ganz konkrete Maß-nahmen, wie ein bundeseinheitlicher freier Nachmittag oder eine 35-Stunden-Woche für alle Schüler_innen wurden von den jungen Politik> Macher_innen als wichtig angesehen.

Du auch hier?!

Wo kommst du her? Und in welche Schule gehst du? - Das ist für die jungen Teilnehmenden nicht wichtig, wenn es um die Nachmittagsgestaltung an Schulen geht. Um Schule als wirklichen Lebensort bezeichnen zu können, wünschen sie sich deshalb Angebote der Ganztagsbetreuung, die offen für Schüler_innen anderer Schulen sind. Damit unterstützen sie eine Idee aus dem Fachforum. Besonders bei der Hausaufgabenbetreuung empfänden sie den Austausch mit Freunden, Bekannten und Schüler_innen anderer Klassen und Schulen sehr sinnvoll.
 

3. Lernen geht auch (wo)anders!

Eine Eigenständige Jugendpolitik könnte ein Miteinander bei der Gestaltung von Schule anstoßen. So würden alle Akteure gemeinsam am Tisch sitzen und sich abstimmen. Im dritten Themenkomplex wurde deshalb der Fokus auf die Gestaltung des Lernens in der Unterrichts- und Nachmittagszeit gesetzt. Wie kann „Ganzheitliches Lernen“ verwirklicht werden, sodass Schule nicht mehr nur "Frontalunterricht" bedeutet, sondern all die Fähigkeiten, Neigungen und Entfaltungsmöglichkeiten junger Menschen aufgreift und nutzt?

DAS SAGTEN DIE FACHLEUTE:

1. Eine gute Atmosphäre, gute Gruppendynamik, soziales Lernen und Mitbestimmung ist die Basis für ganzheitliches Lernen in der Schule.

2. Gemeinsame Planung, bereits vor dem Bau einer Schule ermöglicht, dass Schule als „Heimat“ wahrgenommen wird. Schüler_innen und Eltern sollten mehr in die Schulstandort- und Schulwegeplanung und die Weiterentwicklung der Kommune selbst eingebunden werden.

3. Ganzheitliches Lernen bedeutet auch, eigene Lösungswege suchen und finden zu dürfen und eigenverantwortlich aus Fehlern zu lernen.

4. Kooperationen von Schule mit anderen Einrichtungen, wie dem Künstler- oder Sportverein, einem Jugendverband macht Schule attraktiver. Aber sie erfordern gegenseitiges Vertrauen. Beide Seiten müssen auf-einander eingehen und ihre bisherigen Arbeitsweisen aneinander anpassen.

5. Bundesweite Konzepte für die Kooperation von Schule mit anderen Einrichtungen könnten helfen. Sie bergen aber auch das Problem, dass die einzelnen Schulen eingeschränkt sind in ihren Gestaltungs-möglichkeiten.

DAS ANTWORTETEN DIE JUNGEN POLITIK>MACHER_INNEN:


Kooperation, ja! Aber …

In diesem Themenbereich nahmen Kooperationen für die jungen Politik> Macher_innen einen wichtigen Platz ein. Sie sagen: Schule und Jugend-arbeit ergänzen sich zwar, aber werden sich nie ersetzen können, z.B. weil hier ein Pflichtsystem auf Freiwilligkeit trifft. Gerade deshalb sind viele Teilnehmende der Meinung, Kooperationen zwischen beiden Partnern wären unabdingbar. Besonders wichtig sei es, die Interessen der jungen Menschen immer im Blick zu behalten und Kooperationen auf Augenhöhe zu gewährleisten. Dabei müssen die jeweiligen Potentiale und Besonderheiten der Kooperationspartner aber auch der Schüler_innen einbezogen werden. Des Weiteren ist den Teilnehmenden wichtig, dass Kooperationsangebote auch außerhalb der Schulräume möglich sein sollten. Kooperationen mit Trägern der Jugendarbeit dürfen ihrer Ansicht nach jedoch nicht als preiswerte Beaufsichtigung und Lückenfüller verstanden werden.

Kontrovers dazu sahen einige der jungen Politik>Macher_innen Kooperationen und die Verknüpfung von Schule und Jugendarbeit kritisch und merkten an, dass eine außerschulische Jugendarbeit für sie auch außer-schulisch bleiben solle - Schule beschneide zudem die Zeiträume für außerschulische Angebote zu sehr.

Das große Ganze!

Um ein Konzept des ganzheitlichen Lernens gewährleisten zu können, müssten nach Meinung der Politik>Macher_innen zuerst die Rahmenbedingungen stimmen. Sie sprachen sich dafür aus, dass vor allem die Auf-teilung der Schüler_innen in unterschiedliche Schulformen später erfolgen sollte, um möglichst lange ein gemeinschaftliches Lernen zu ermöglichen. Und weil ganzheitliches Lernen eben Gemeinschaft und nicht nur Frontal-unterricht bedeutet, wären vielfältige Mitbestimmungsmöglichkeiten für Schüler_innen und Eltern sowie verkleinerte Klassengrößen unabdingbar, um den unterschiedlichen Lerntypen junger Menschen gerecht zu werden. Die Vielfalt an Angeboten könnte schon mit kleinen Schritten, z.B. mit der Öffnung der Angebote für Schüler_innen anderer Schulen, erreicht werden. Auch an die Politik formulierten die Teilnehmenden einen Wunsch: Sie solle das partnerschaftliche Miteinander aller Bildungsorte unterstützen. Dabei müsste gefördert werden, was diese entsprechend ihrer Besonderheiten leisten können. D. h. dass Bildungsorte, wie derzeit Schule, nicht mehr überfrachtet und überfordert werden dürften.

Lernen mit Methode!

Für die Teilnehmenden der Beteiligungsrunde bedeutet ganzheitliches Lernen auch, dass Schüler_innen Problemen und Fragen nachgehen und eigene Lösungsansätze dafür erarbeiten können. Lernen müsse ihrer An-sicht nach so gestaltet werden, dass eigene Entscheidungen getroffen und Fehler gemacht werden könnten und dürften. Ein weiterer wichtiger Faktor ist für sie, dass Wissen verknüpft wird. Hierfür müsse fächerübergreifen-der gedacht werden, sodass eine Vernetzung in theoretischer und praktischer Weise erfolge. Die Politik>Macher_innen sehen die Lehrer_innen als Schlüsselfiguren, wenn ein ganzheitliches Lernkonzept im Mittelpunkt des Schullebens ste-hen solle. Sie legen Wert auf den Einsatz vielfältiger Methoden und auf ein neues Verständnis der Beziehung von Leher_innen und Schüler_innen. Damit stupides Büffeln zu wirklichem Lernen wird, müsse laut den jungen Politik>Macher_innen die absolute Machtstellung der Lehrenden abge-baut werden. Lehrer_innen sollten eher unterrichtsbegleitende Personen sein.