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SCHULE ALS LEBENSORT

Ihr verbringt einen Großteil des Tages in der Schule - sie ist eine Art „Lebensort“ für euch. Wichtig ist daher, dass ihr dort nicht nur lernt, sondern auch „lebt“ und euch entwickeln könnt. Sicher wisst ihr am besten wie der Lebensort Schule gestaltet sein sollte, damit ihr euch dort auch wohlfühlt. Ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang, ist die Architektur der Schulen und zwar sowohl von innen als auch von außen. Wie sollte eine Schule entworfen und gebaut bzw. umgebaut werden, so dass ihr euch wohl fühlt und sie zu einem Lebensort für euch wird. Eben ein Platz an dem ihr gerne lernen wollt. Damit eure Wünsche berücksichtigt werden können, müsste man euch also Planungsprozesse einbeziehen.

Ganzheitliches Lernen

Damit mehr „Leben“ in die Schule kommt, sollten die Schulen das Lernen noch vielfältiger und ganzheitlicher gestalten und eure individuellen Neigungen und Interessen mehr fördern, meinen die Expert_innen. Ganzheitliches Lernen bedeutet auch eine Abkehr vom frontalen Unterricht hin zu einem handlungsorientierten Unterricht. Ein Lernen mit allen Sinnen, eben mit Kopf, Herz und Hand anhand von beispielhaften Problemstellungen. 

So wird z. B. anhand der Auseinandersetzung mit dem Konflikt zwischen Deutschland und Griechenland über die Höhe der Gelder zur Unterstützung von Griechenland, sowohl die politischen Systeme der beiden Länder, aber auch der EU deutlich.

Nicht das Auswendiglernen steht hier im Vordergrund sondern ein umfassendes Verständnis der konkreten Situation mit einer anschließenden Beurteilung und einer eigenen Stellungnahme der Schüler_innen. Das Konzept des ganzheitlichen Lernens beinhaltet auch die Verwendung verschiedener Methoden (Projekt, Fallstudie, Stationenlernen, Streitgespräch…) und Sozialformen (Gruppen-, Partner- oder Einzelarbeit).

Auch gemeinsame Aktivitäten in der Gruppe oder Angebote nach der Unterrichtszeit gehören für sie dazu. Das können z.B. freiwillige Beratungen bei Problemen mit der Schule oder der Familie sein, aber auch Aktivitäten mit Jugendverbänden oder Berufsorientierungsangebote. Und hier kommt die Ganztagsschule ins Spiel …

Ganztagsschule

In vielen Bundesländern gibt es vermehrt Schulen mit Ganztagsbetrieb, die neben dem Unterricht am Nachmittag auch andere Aktivitäten wie verschiedene Sportarten oder eine Auseinandersetzung mit Themen, die euch interessieren, anbietet. Schule ist längst nicht mehr nur „Wissensvermittlerin“, finden die Fachleute. Die Ganztagsschule ist auch eine Möglichkeit dem Anspruch nach einem ganzheitlichen Lernen gerecht zu werden. Wenn ihr auch die Nachmittage in der Schule verbringt, sollte sich auch der Lernort Schule verändern hin zu einem Lebensort. Es reicht eben nicht die tägliche Schulzeit zu verlängern, die zusätzlichen Stunden sollten auch mit Inhalten gefüllt werden, die euch interessieren. Hier ist es wichtig, dass ihr euch mit euren Ideen und Vorschlägen in die Planungen mit einbringt, damit auch das stattfindet, was ihr möchtet. Zum einen könnt ihr versuchen über eure Schülervertretung die zusätzliche Zeit mit zu gestalten oder ihr macht es in eurer nächsten Verfügungsstunde zum Thema. Mitwirkung ist hier gefragt! Eine Eigenständige Jugendpolitik könnte die Aufgabe übernehmen, alle Beteiligten zu motivieren, Schulen zu schaffen in denen ihr euch wohlfühlen könnt und die euch neben dem Lernen ausreichend Freiräume bieten, damit ihr euch entfalten könnt.

Lokale Bildungslandschaften

Hinter dem Begriff Bildungslandschaft wird ein Konzept innerhalb der Kinder- und Jugendpolitik verstanden, das auf eine verstärkte Zusammenarbeit, Vernetzung und Kooperation zwischen den Schulen und außerschulischen Bildungseinrichtungen setzt. Das heißt, dass z. B. die Lehrer_innen eurer Schule und der örtliche Turnverein sich vernetzen und gemeinsame Projekte starten. Das Konzept der Bildungslandschaften versucht also die unterschiedlichen Lernorte miteinander zu vernetzen und eine Zusammenarbeit der Beteiligten der formalen und nonformalen Bildung  zu fördern. Hiervon versprechen sich Bildungsexpert_innen, dass sich insgesamt die Bildungsbedingungen für euch verbessern und die Bildungsmöglichkeiten vielfältiger werden. Die Schulen sollten Lernen noch vielfältiger und ganzheitlicher gestalten und eure individuellen Neigungen und Interessen mehr fördern. Auch gemeinsame Aktivitäten in der Gruppe oder Angebote nach der Unterrichtszeit gehören für sie dazu. Das können z.B. freiwillige Beratungen bei Problemen mit der Schule oder der Familie sein, aber auch Aktivitäten mit Jugendverbänden oder Berufsorientierungsangebote.

Total lokal!

Lokal sind die Bildungslandschaften, weil die Kooperation der Schule und der außerschulischen Bildungseinrichtungen vor Ort stattfindet. So arbeiten nicht nur tatsächlich Schule und z. B. der Turnverein zusammen, auch in der kommunalen Verwaltung arbeiten die Verantwortlichen in der Schul- und Jugendhilfeplanung zusammen. Um die lokale Bildungslandschaft mitzugestalten und mit euren Ideen, Wünschen und Anregungen zu füllen, könnt ihr in eurer Jugendgruppe vor Ort überlegen, wie ihr euch so eine lokale Bildungslandschaft vorstellt. Ihr könnt euch auch überlegen, wie ihr eure Ideen und Wünsche auch umsetzen könnt und an welchen Punkten ihr euch in die Gestaltung der Bildungslandschaften aktiv mit einbringen könnt. Also, mach mit und mach Politik!

 

Darüber schon mal nachgedacht?

  • Überlegt euch, wie die Schule gestaltet sein müsste, damit ihr euch wohl fühlt! Die Gestaltung des Lebensortes Schule bezieht sich nicht nur auf die Inhalte der Schule, sondern auch auf die räumliche Gestaltung der Schule.

  • Wie kann eine Mitbestimmung am Lebensort Schule durch euch aussehen? Habt ihr konkrete Ideen, wie ihr euch in die Gestaltung mit einbringen könnt?

  • Was haltet ihr davon, das Lernen vielfältiger und ganzheitlich zu gestalten? Wie könnte nach

    euren Vorstellungen das Lernen aussehen? Wie kann Lernen vielfältiger und ganzheitlicher gestaltet werden?

  • Wie findet ihr das Konzept der Gesamtschulen? Ist ein gemeinsames Lernen aller sinnvoll?

  • Überlegt euch welche Punkte bei einer Kooperation von Schule und anderen Akteur_innen aus eurer Sicht wichtig sind!

  • Gibt es Kooperationen, die ihr für besonders sinnvoll haltet? Wenn ja, aus welchen Gründen?
     

SCHULE UND PARTIZIPATION

Mitbestimmung in der Schule bezieht sich nicht nur auf die Mitbestimmung in der Schüler_innenvertretung, sondern auch auf andere Rechte wie z. B. die Herausgabe einer Schülerzeitung oder das Recht auf freie Meinungsäußerung. Dass Schüler_innen Rechte zugestanden werden, sie sich in der Schule also nicht mehr in einem rechtsfreien Raum befinden, hat die Kultusministerkonferenz im Jahre 1973 mit dem Beschluss „Zur Stellung des Schülers in der Schule“ umgesetzt. Bis dahin war es noch durchaus üblich, dass Lehrer_innen Schüler_innen mit Schlägen bestrafen. Erstmals wurden in diesem Beschluss die Rechte der Schüler_innen benannt und so die Grundlage für die Mitbestimmung der Schüler_innen und Eltern gelegt. Die konkreten Rechte und die Rechte der Mitbestimmung ergeben sich aus den Schulgesetzgebungen der einzelnen Bundesländer. Da Bildungspolitik und somit auch die Mitbestimmungsrechte der Schüler_innen in den Bundesländern entschieden wird, gibt es kein einheitliches Schulgesetz. In vielen Schulgesetzen finden sich breite Mitbestimmungsmöglichkeiten: So z. B. nicht nur in Form von Schüler_innenvertretungen, es gibt auch die Möglichkeit bei der Gestaltung des Unterrichts oder sonstiger schulischer Veranstaltungen im Rahmen der geltenden Gesetze mitzuwirken.

Mitbestimmung in der Schüler_innenvertretung

In allen Schulen gibt es das Recht der Schüler_innen, sich zu organisieren und zwar in einer Schüler_innenvertretung (SV). Sowohl innerhalb der Schule als auch auf Stadt-, Landes- oder Bundesebene gibt es die Möglichkeit sich zu engagieren. Sei es als Klassensprecher_in oder auch im Stadtschüler_innenrat. Aufgabe der Schüler_innenvertretung ist es allen Schüler_innen einer Schule die Teilnahme an Willensbildungsprozessen innerhalb dieser zu ermöglichen. Die Mitbestimmung und Mitwirkung der SV bezieht sich aber nicht nur auf die Teilnahme an Klassen-, Fach- und Gesamtkonferenzen, an die SV könnt ihr euch wenden, wenn ihr konkrete Vorschläge oder Kritikpunkte habt. Wie gut Schüler_innenvertretungen arbeiten können und wie viel Mitbestimmung sie tatsächlich haben, hängt nicht nur an den Menschen die sich engagieren, sondern auch an den einzelnen Gesetzgebungen in den Ländern. Fragt bei eurer Schulleitung nach dem für euer Bundesland gültigen Schulgesetz oder recherchiert im Internet.

Rechte von Schüler_innen

Unabhängig von der Schüler_innenvertretung habt ihr das Recht auf Information und Mitwirkung am Unterricht und an der Unterrichtsplanung, so lange sie nicht mit den geltenden Vorgaben für die Inhalte des Unterrichts im Konflikt stehen. Auch wenn ihr euch ungerecht behandelt fühlt oder euch etwas nicht gefällt, habt ihr das Recht euch zu beschweren. Eure Beschwerde muss Gehör finden und es muss evtl. für Abhilfe gesorgt werden. Ihr habt darüberhinaus auch das Recht auf freie Meinungsäußerung in der Schule. Dies ist auch ausdrücklich gewollt, denn hierdurch könnt ihr eine Beteiligung an politischen und gesellschaftlichen Diskursen schon in der Schule üben. Auch über die Herausgabe einer Schülerzeitung wird das Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen. Es lohnt sich in die jeweiligen Gesetze reinzugucken, die Mitbestimmung ist oft weitreichender als zunächst gedacht. Um mitzubestimmen, müsst ihr aber nicht nur eure Rechte kennen, sondern euch auch aktiv in die Schüler_innenvertretung und in die Planung von Unterricht mit euren Ideen, Vorschlägen und Anregungen und eurer Kritik einbringen. Zusammen fällt euch sicher mehr ein und ihr fühlt euch gemeinsam stärker, wenn es darum geht euch für eure Interessen einzusetzen.

 

Darüber schon mal nachgedacht?

  • Welche Mitbestimmungsrechte findet ihr in dem für euer Bundesland gültigen Schulgesetz?
  • Worüber wollt ihr eigentlich (nicht) mitbestimmen und was genau braucht ihr dafür (als Schüler_innen und als Schüler_innenvertretung)?
  • Ihr wolltet in eurer Schule was bewegen und seid auf Grenzen gestoßen? Welche waren das?
  • Wie weit kann Mitbestimmung in der Schule und Schulpolitik gehen? Was sind hier eure Ideen und Vorschläge?

Weitere Infos und Links

Im Folgenden Links mit Informationen zur Schüler_innenvertretung:

​SCHULSTRUKTUR

Bildung fällt in Deutschland in die Zuständigkeit der Bundesländer, hierdurch gibt es viele Unterschiede in den Schulstrukturen der einzelnen Bundesländer. Damit es nicht zu viele Unterschiede gibt und Abschlüsse vergleichbar und gegenseitig anerkannt werden gibt es die Kultusministerkonferenz (KMK), die dann z. B. über die gegenseitige Anerkennung der Schulabschlüsse entscheidet. Im Berufsbildungsbereich hat sich die KMK auf für alle Bundesländer geltende Rahmenlehrpläne in den unterschiedlichen Ausbildungsberufen geeinigt. Dennoch lassen sich Gemeinsamkeiten in der Struktur und Verwaltung von Schule bundesländerübergreifend erkennen. Die Schule wird in der Regel durch die Städte und Gemeinden betrieben, diese sind also für die Ausstattung der Räume, die Instandhaltung, ausreichenden Platz, Einstellung von Lehrkräften etc. verantwortlich.

Gremien der Schulen

In der Regel haben die Schulen eine Schulleiter_in und eine stellvertrende Schulleiter_in. je nach Schulgröße erweitert sich das Leitungsgremium noch um Stufen- und Fachleiter.

Gesamtkonferenz

In den Gesamtkonferenzen werden alle Belange der Schule so z. B. Grundsätze der Leistungsbewertung und Benotung oder aber auch die Planung, Koordinierung und Festlegung von schulischen Veranstaltungen (Klassenfahrten, Feste etc.). Je nach Schulgesetz können Vertreter der Eltern und Schüler_innen mit oder ohne Stimmrecht an den Gesamtkonferenzen teilnehmen.

Schulkonferenz

Neben der Gesamtkonferenz gibt es noch die Schulkonferenz, in einigen Bundesländern auch Schulvorstand genannt, als ein weiteres Mitbestimmungsorgan.Die Schulkonferenz setzt sich aus Teilen der Schulleitung, der Eltern- und Schüler_innenvertretung und aus Vertretern der Lehrer_innen zusammen. Die genaue Zusammensetzung legt das jeweilige Schulgesetz fest, aus wie vielen Personen das Gremium besteht hängt von der Schulgröße ab. Die Schulkonferenzen entscheiden z. B. über den Finanzhaushalt der Schulen, bei der Planung und Durchführung von pädagogischen Tagen.

Klassenkonferenz

Ein weiteres Gremium innerhalb der Schule stellt die Klassenkonferenz dar. Die genaue Zusammensetzung regelt auch das jeweilige Schulgesetz, in der Regel nehmen daran jedoch alle Lehrer teil, die in der Klasse unterrichten und Vertreter der Eltern- und Schülerschaft. Die Klassenkonferenz entscheidet z. B. über Ordnungsmaßnahmen oder aber auch über Fördermaßnahmen für einzelnen Schüler.

Zeugniskonferenz

Auch die Noten werden von allen Lehrern in einer Zeugniskonferenz besprochen und beschlossen. Wie weit die Mitbestimmungsrechte der Eltern und Schüler gehen, regelt das jeweils gültige Schulgesetz.

Wer entscheidet, was gelernt wird?

Die zu lernenden Inhalte werden von den Kultusministerien in sogenannten Kerncuricula festgelegt, die KMK hat sich hier länderübergreifend auf Bildungsstandards geeinigt. Im Kerncurriculum steht, welche Kompetenzen von den Schüler_innen zu erwarten sind, hierbei steht nicht nur die Fach- sondern auch die Sozial- und Personalkompetenz im Vordergrund. Ferner werden die Themenbereiche vorgestellt und es wird festgelegt, inwiefern diese Themen behandelt werden sollten. Andere Aspekte wie Notengebung werden erklärt und wie Noten sich zusammensetzen müssen.

Schulformen

Nach wie vor gibt es in Deutschland in der Regel eine vierjährige Grundschulzeit, eine Ausnahme stellen hier Berlin und Brandenburg mit einer sechsjährigen Grundschulzeit dar. Im Anschluss an die Grundschule erfolgt die Einteilung der Schüler_innen nach Leistung und Noten in die Haupt- oder Realschule, bzw. das Gymnasium. An dem dreigliedrigen Schulsystem gibt es schon seit den 1970er Jahren Kritik, da eine Einteilung der Schüler_innen in die Zweige sehr früh vorgenommen und ein Wechsel zwischen den Schulformen eher als schwierig angesehen wird. Die Festlegung auf einen bestimmten Schulabschluss ist sehr früh. Aus dieser Kritik hat sich die Gesamtschule entwickelt, in ihr gehen alle in eine Klasse, einige Gesamtschulen gehen von der 1. bis zur 12./13. Klasse, für bestimmte Fächer gibt es z. B. den Grund- und Erweiterungskurs. Ein Wechsel zwischen den Kursen ist mit entsprechenden Noten zum Halbjahr möglich. Die Gesamtschule setzt auf gemeinsames Lernen aller.

Darüber schon mal nachgedacht?

  • Wie findet ihr das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland?  Welche Vor- und Nachteile gibt es?
  • Wie findet ihr es, dass in Deutschland Bildung in die Zuständigkeit der Länder fällt und es somit keine einheitliche Bildungspolitik und Schulgesetzgebung gibt?
  • Würdet ihr euch mehr Mitbestimmung bei der Festlegung der zu lernenden Inhalte wünschen? Wie würde eine Mitbestimmung eurer Ansicht nach konkret aussehen?

Weitere Infos und Links